{"id":15,"date":"2009-04-30T12:00:00","date_gmt":"2009-04-30T10:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/thema\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\/"},"modified":"2009-04-30T12:00:00","modified_gmt":"2009-04-30T10:00:00","slug":"gewaltpraevention-bei-jugendlichen","status":"publish","type":"thema","link":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/thema\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\/","title":{"rendered":"Gewaltpr\u00e4vention bei Jugendlichen"},"content":{"rendered":"<p>Humanistische Union Hamburg diskutiert Konzepte gegen Jugendgewalt. Aus: Mitteilungen Nr. 204 (1\/2009), S. 26<\/p>\n<p>&#8222;Gewaltpr\u00e4vention und Aggressionsabbau bei Jugendlichen.&#8220; Unter diesem Titel fand am 25.3.2009 eine gut besuchte Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des Landesverbandes Hamburg der Humanistischen Union auf dem Campus der Universit\u00e4t Hamburg statt.<\/p>\n<p>Worum ging es? Erstens um die zunehmend brisante Gewaltbereitschaft von Jugendlichen in unserer Gesellschaft als Folge von Gewalterfahrung und mangelnder Zuwendung im Elternhaus, von Armut, Lernschwierigkeiten und Chancenlosigkeit. Diese Gewalterfahrung wird oft genug durch die Demonstration von &#8222;St\u00e4rke&#8220; vor den Kumpeln auf der Stra\u00dfe oder in den Schulen kompensiert, kann sich im Einzelfall aber auch in exzessiven Gewalttaten z.B. in einem Amoklauf manifestieren. Zweitens ging es um die Methoden, mit denen Sozialp\u00e4dagogen und Jugendpsychologen versuchen, dieser Entwicklung entgegen zu steuern. Als kontraproduktiv und aggressionsf\u00f6rdernd werden allgemein gewisse gewaltverherrlichende Medienprodukte beurteilt. Aber offenbar scheint es unter den f\u00fcr die Jugenderziehung verantwortlichen Sozialp\u00e4dagogen auch solche zu geben, die in diesem Punkt anderer Meinung sind; sie suchen durch das Angebot von drastischen Gewaltdarstellungen Jugendliche zu interessieren und an Jugendeinrichtungen zu binden, um Ansatzpunkte f\u00fcr eine produktive Erziehungsarbeit zu finden. Das Hauptproblem bei dieser Methode besteht darin, wie weit man hier gehen kann und darf. Diese Frage wurde anhand einer Musikvideo-Produktion in einem Hamburger Jugendhaus er\u00f6rtert, \u00fcber die in Teilen der Medien (taz, MOPO, NDR) berichtet wurde und die in der Tat eine Reihe von Fragen und Zweifeln aufwirft.<\/p>\n<p>Der taz-Redakteur Marco Carini stellte diesen Vorfall in aller Klarheit dar und scheute sich auch nicht, gewaltverherrlichende Textbeispiele des &#8222;selbsternannten Gangsta-Rapper(s)&#8220; Faro w\u00f6rtlich zu zitieren. Beispiel: &#8222;Ein Biss in deinen Nacken, dann landest du im Rollstuhl. Wenn ich meine Pistole hole, bist du Schweizer K\u00e4se, ich geh dir an die Kehle und du bist ein toter Mann&#8220;. Auch das Frauenbild der Songs problematisierte Carini als besonders kritisch, wenn in den Texten z.B. angek\u00fcndigt werde, alle M\u00e4dchen und Frauen des Stadtteils ficken zu wollen. Das gelte auch f\u00fcr Textzeilen wie: &#8222;frisch rasiert und lange Haare, deine Braut will auch mal ran, doch ich nehm nicht zweite Ware&#8220;. Ein solches Frauenbild nach dem Motto &#8222;Benutzt &#8211; entehrt &#8211; dann nichts mehr wert&#8220; k\u00f6nne zu Ehrenmorden motivieren. Carini monierte, dass derartige Texte mit Steuergeldern finanziert werden, &#8222;so als habe die moderne P\u00e4dagogik nichts zwischen H\u00e4keldeckchen und gewaltverherrlichenden Klangteppichen zu bieten&#8220;. Seine Position fasste Carini im Wesentlichen wie folgt zusammen: Es gebe in dem betroffenen Haus der Jugend keine ausgereiften p\u00e4dagogischen Konzepte, im konkreten Fall sei das Konzept, auf Jugendliche zuzugehen, um sie erst einmal zu erreichen, \u00fcberdehnt worden; denn humanistische Grundwerte setzten Grenzen, die nicht \u00fcberschritten werden d\u00fcrften, keinesfalls d\u00fcrfe man die Jugendarbeit p\u00e4dagogisch nicht ausgebildeten Honorarkr\u00e4ften \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Carinis Thesen fanden bei den Mitdiskutanten und dem Publikum R\u00fcckhalt und Verst\u00e4ndnis. Dr. Peter Hermsen (Humanistische Union), Ayfar Dogan (AG Kinder- und Jugendschutz Hamburg) und Volkert Ruhe (Verein &#8222;Gefangene helfen Jugendlichen&#8220;) vertraten wie Carini die Auffassung, dass Jugendgewalt zwar in der p\u00e4dagogischen Arbeit aufgegriffen und aufgearbeitet werden m\u00fcsse, dass aber im konkreten Fall das notwendige Augenma\u00df verloren gegangen sei. Bei solchem Vorgehen sei nicht zu erwarten, dass Jugendliche davon abgehalten w\u00fcrden, auf die Gewaltschiene zu geraten.<\/p>\n<p>Besonders beeindruckend berichtete Volkert Ruhe von seiner Arbeit, die darauf hinaus laufe, gewaltt\u00e4tigen Jugendlichen durch konkretes Training Empathie zu vermitteln. In einer ersten Phase werde mit jedem Jugendlichen dessen Biographie erstellt, um die Motivation des Jugendlichen aufzudecken; dabei stelle sich sehr oft heraus, dass der T\u00e4ter zun\u00e4chst selbst Opfer gewesen sei und sich mit der Gewalttat aus der Rolle des Opfers zu befreien versucht habe. In einer weiteren Phase werde der T\u00e4ter vor der gesamten Gruppe der Jugendlichen mit seiner Vergangenheit konfrontiert, dabei werde heraus gearbeitet, was er seinem Opfer und dem Umfeld des Opfers, insbesondere dessen Familie, angetan habe. Diese Konfrontation ersch\u00fcttere den Jugendlichen oft sehr stark, so dass sich eine Auffangphase anschlie\u00dfe, in der der Jugendliche wieder aufgebaut werde. In einem weiteren Schritt werde sodann Mitgef\u00fchl (Empathie) vermittelt. Dies geschehe z.B. durch Rollenspiele oder auch durch Einzeltherapie.<\/p>\n<p>In der Diskussion war man sich einig, dass zur Bek\u00e4mpfung von Jugendgewalt alle Potentiale ausgesch\u00f6pft werden m\u00fcssten. Wertevermittlung und Verhaltensregeln in Konflikten m\u00fcssten von Anfang an gelehrt und gelernt werden: in den Elternh\u00e4usern, in Kindertagesst\u00e4tten und in den Schulen. Hier nicht die notwendigen Ressourcen an qualifiziertem Personal und Pl\u00e4tzen in Kitas oder Jugendeinrichtungen bereit zu stellen oder sogar die Mittel f\u00fcr Jugendarbeit zu k\u00fcrzen, sei ein \u00dcberma\u00df an gesellschaftlicher Blindheit und ein Beispiel verfehlter Politik. Bei Gewalttaten Jugendlicher m\u00fcsse konsequent eingeschritten werden. Im Jugendstrafrecht m\u00fcsse jedoch der Resozialisierungsgedanke eindeutig Priorit\u00e4t haben bzw. zur\u00fcckgewinnen, wo er &#8211; wie in Hamburg in den Zeiten von Schill und Kusch &#8211; zur\u00fcckgestellt worden sei.<\/p>\n<p><i>Hartmuth. H. Wrocklage<br \/>ist Mitglied des Bundesvorstandes und des <br \/>Hamburger Landesvorstandes der Humanistischen Union.<\/i><\/p>\n<p>Kategorie: Hamburg: Veranstaltungsberichte<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"template":"","categories":[],"tags":[],"class_list":["post-15","thema","type-thema","status-publish","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.3 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Gewaltpr\u00e4vention bei Jugendlichen - HU Hamburg<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/thema\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Gewaltpr\u00e4vention bei Jugendlichen - HU Hamburg\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Humanistische Union Hamburg diskutiert Konzepte gegen Jugendgewalt. Aus: Mitteilungen Nr. 204 (1\/2009), S. 26 &#8222;Gewaltpr\u00e4vention und Aggressionsabbau bei Jugendlichen.&#8220; Unter diesem Titel fand am 25.3.2009 eine gut besuchte Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des Landesverbandes Hamburg der Humanistischen Union auf dem Campus der Universit\u00e4t Hamburg statt. Worum ging es? Erstens um die zunehmend brisante Gewaltbereitschaft von Jugendlichen [weiterlesen]\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/thema\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"HU Hamburg\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"4\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/hamburg.humanistische-union.de\\\/thema\\\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/hamburg.humanistische-union.de\\\/thema\\\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\\\/\",\"name\":\"Gewaltpr\u00e4vention bei Jugendlichen - HU Hamburg\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/hamburg.humanistische-union.de\\\/#website\"},\"datePublished\":\"2009-04-30T10:00:00+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/hamburg.humanistische-union.de\\\/thema\\\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/hamburg.humanistische-union.de\\\/thema\\\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\\\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/hamburg.humanistische-union.de\\\/thema\\\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\\\/\\\/hamburg.humanistische-union.de\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Themen\",\"item\":\"https:\\\/\\\/hamburg.humanistische-union.de\\\/thema\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":3,\"name\":\"Gewaltpr\u00e4vention bei Jugendlichen\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/hamburg.humanistische-union.de\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/hamburg.humanistische-union.de\\\/\",\"name\":\"HU Hamburg\",\"description\":\"Eine weitere HU Network Website\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/hamburg.humanistische-union.de\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Gewaltpr\u00e4vention bei Jugendlichen - HU Hamburg","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/thema\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Gewaltpr\u00e4vention bei Jugendlichen - HU Hamburg","og_description":"Humanistische Union Hamburg diskutiert Konzepte gegen Jugendgewalt. Aus: Mitteilungen Nr. 204 (1\/2009), S. 26 &#8222;Gewaltpr\u00e4vention und Aggressionsabbau bei Jugendlichen.&#8220; Unter diesem Titel fand am 25.3.2009 eine gut besuchte Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des Landesverbandes Hamburg der Humanistischen Union auf dem Campus der Universit\u00e4t Hamburg statt. Worum ging es? Erstens um die zunehmend brisante Gewaltbereitschaft von Jugendlichen [weiterlesen]","og_url":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/thema\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\/","og_site_name":"HU Hamburg","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"4\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/thema\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\/","url":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/thema\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\/","name":"Gewaltpr\u00e4vention bei Jugendlichen - HU Hamburg","isPartOf":{"@id":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/#website"},"datePublished":"2009-04-30T10:00:00+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/thema\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/thema\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/thema\/gewaltpraevention-bei-jugendlichen\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Themen","item":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/thema\/"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"Gewaltpr\u00e4vention bei Jugendlichen"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/#website","url":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/","name":"HU Hamburg","description":"Eine weitere HU Network Website","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"}]}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/thema\/15","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/thema"}],"about":[{"href":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/types\/thema"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/media?parent=15"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/categories?post=15"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hamburg.humanistische-union.de\/hu-json\/wp\/v2\/tags?post=15"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}